Das Kabinett des Erich Pommer

Erich Pommers Oeuvre – wenn man es so nennen kann – umfaßt etwa 200 Filmtitel in einer Zeitspanne von 40 Jahren, beginnend 1915 mit „Der Glaube siegt“ von Carl Schönfeld, endend 1955 mit Laszlo Benedeks „Kinder, Mütter und ein General“.

Erich Pommer produzierte Filme in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und in den USA.
Unter seiner Leitung entstanden zahllose Unterhaltungsfilme, aber auch Hauptwerke des deutschen Stummfilms wie „Das Cabinet Des Dr. Caligari“, „Die Nibelungen“, „Metropolis“, „Varieté“, „Faust“, „Asphalt“ und des frühen Tonfilms wie „Der Blaue Engel“, „Die Drei von der Tankstelle“, „Voruntersuchung“, „Der Kongress Tanzt“, „F.P. 1 Antwortet nicht“.

1933 von den Nazis vertrieben, arbeitete er in Frankreich mit Max Ophüls und Fritz Lang, in England mit Charles Laughton und Alfred Hitchcock, in den USA mit Garson Kanin und Dorothy Arzner. Der Versuch, sich in der Bundesrepublik als Produzent wieder zu etablieren, scheiterte nach vier Filmen.

Seine berufliche Laufbahn führte ihn von den französischen Firmen Gaumont und Eclair 1915 zur Gründung der eigenen Decla-Filmgesellschaft, die mit der Bioskop fusionierte, 1921/22 im Ufa-Konzern aufging, dessen Produktionschef POMMER 1923-26 war. Nach einem Zwischenspiel in Hollywood (Paramount, MGM) wurde er 1929 – rechtzeitig zur Einführung des Tonfilms – erneut Leiter einer Produktionsgruppe der Ufa. Im französischen Exil arbeitete er für die Fox, ehe er in England mit Laughton die Mayflower Pictures Corp. gründete. Bei Kriegsbeginn in den USA, wurde Pommer, ab 1944 amerikanischer Staatsbürger, erneut in Hollywood tätig.
1946 kehrte er als Chef der Motion Picture Branch der OMGUS nach Deutschland zurück und führte die Aufsicht über den Wiederaufbau der Filmindustrie in der US-Zone. 1950 gründete er in München die Intercontinental Film, ohne sich wieder durchsetzen zu können. 1956 kehrte er nach Kalifornien zurück, wo er 1966 starb.

Aufgrund langjähriger Erfahrungen, die er vor dem Ersten Weltkrieg im Filmhandel und Export gesammelt hatte, war er während seiner Arbeit stets darauf bedacht, Filme herzustellen, die internationalen Standards standhalten konnten.
Dazu engagierte er aus allen Sparten der Filmproduktion die fähigsten Fachleute, entdeckte Neulinge wie Fritz Lang, Carl Mayer, Ludwig Berger und verstand es, auf Auslandsreisen gewonnene Erfahrungen in Technik und Produktionsorganisation in die deutsche Filmindustrie einzuführen.
Dabei war es sein Ziel, dem amerikanischen Film eine konkurrenzfähige und künstlerisch eigenständige europäische Kinematografie entgegenzusetzen.

Buch und Regie Hans-Michael Bock, Ute T. Schneider
Kamera Armin Fausten, Markus Fischer
Ton Günter Hablik, Reiner Penzholz
Schnitt Matthias Bauer
Aufnahmeleitung William Moritz
Produktionsleitung Harald Stuckmann
Redaktion Elisabeth Henrich (BR)
Produzent Jörg Bundschuh

Eine Produktion von Kick Film im Auftrag des BR

 

 
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